Gewässerschutz

In der Frage, wie man mit dem an Bord anfallenden Abwasser umgeht, gibt es enorm große Unterschiede. Viele Werften und Charterfirmen versichern den Kunden, dass an Bord ihrer Schiffe selbstverständlich „das Abwasser gesammelt wird“. Das bedeutet im Klartext für den Gewässerschutz das Gleiche, wie wenn Ihnen der Nachbarsjunge versichert, noch nie in den Pool gepinkelt zu haben.

Das pfiffige Abwassertanksystem auf der Kormoran

Um Ihnen zu verdeutlichen, wie wir Gewässerschutz handhaben, möchten wir Ihnen erklären, was an Bord einer Kormoran mit Abwasser passiert.

 

  • Sie benutzen die Toilette und pumpen die Toilettenschüssel leer. Spülwasser und Fäkalien (diese Mischung wird auch „Schwarzwasser“ genannt) wandern durch die Kraft Ihrer Pumpenschläge (oder mit der Pumpe der elektrischen Toilette) durch ein geruchsdichtes Schlauchsystem direkt in den zweiteiligen Abwassertank.

 

  • Sie duschen, waschen sich die Hände oder waschen ab. Das verbrauchte Wasser (diese Mischung aus Seife, Duschgel, Schampoo, Spüli, Essensresten und ähnlichem heißt „Grauwasser“) fließt durch seine eigene Schwerkraft in die sogenannte Zentralbilge. Das ist die tiefste Stelle an Bord, tief unten im Bootsrumpf. Hier werden um die 60 Liter Grauwasser gesammelt. Die Bilge ist als Behälter geschweißt, so dass auch hier nichts müffelt oder überschwappt. Wenn die Zentralbilge voll ist, wird eine Pumpe aktiviert, die den Inhalt der Bilge in einen der beiden Abwassertanks transportiert.

 

In einer Kormoran sind zwei große Tankbehälter verbaut, die (je nach Bootsgröße) zusammen ein Fassungsvermögen von etwa 1300 Litern haben. Die Tanks sind miteinander verbunden, so dass beide durch einen einzigen Decksstutzen abgesaugt werden können. Von jedem Tank geht noch ein kleiner weiterer geruchsdichter Schlauch ab, das ist die jeweilige Tankentlüftung (wenn man Abwasser in einen Tank hinein gibt, muss Luft herauskönnen), beide Schläuche werden zusammengeführt und die Luft durch einen Kohlefilter nach Außenbord geführt. Der Filter muss sein, denn sonst würde es aus dem Tank riechen. Weitere Abflüsse gibt es nicht. Die einzige Möglichkeit, den Tankinhalt loszuwerden, ist eine Absaugstation, die über ein Vakuum das Abwasser an eine Sammelstation an Land oder das öffentliche Abwassernetz übergibt. Der Absaugvorgang selbst ist hygienisch und geruchsneutral. Durch die Verwendung von geruchsdichten Schläuchen, Bauteilen und Filtern kommt das System ohne chemische Zusätze aus. Außerdem ist es so leistungsfähig dimensioniert, dass man sich schon große Mühe geben muss, um es zu verstopfen.

 

So einfach ist das also: Einfach ALLES, was an Grau- oder Schwarzwasser an Bord anfällt, an Bord sammeln und im Hafen an Land ordnungsgemäß entsorgen.

Im Prinzip ja eine Selbstverständlichkeit, warum also noch groß thematisieren?

 

Weil es eben leider nur bei uns selbstverständlich ist.
Bevor Sie ein Boot kaufen oder wenn Ihnen der Gewässerschutz beim Chartern wichtig ist, checken Sie das Tankvolumen. Ein Vier-Personen-Boot mit 250 Liter Abwassertank? Dann wird höchstwahrscheinlich nur das Schwarzwasser an Bord gesammelt. Dusche und Küchenspüle wandern direkt in das Gewässer, auf dem das Boot schwimmt.
Falls es ein Ventil am Abwassertank gibt, sollte es verplombt sein, damit sichergestellt ist, dass der Abwassertank nicht ins Gewässer entleert wird. Ist die Verplombung nicht vorhanden oder beschädigt, bedeutet das, dass der Eigentümer oder Betreiber des Bootes in Kauf nimmt, dass Chartercrews den Tankinhalt in das Gewässer entsorgen.

 

Unsere Bitte: Überlegen Sie, bevor Sie chartern, ob Sie möchten, dass Ihr Spülwasser oder Ihr Duschabwasser ins Gewässer gelangt. Wir schreiben das hier so deutlich, weil wir festgestellt haben, dass die meisten Chartercrews davon ausgehen, dass ihr Abwasser nicht im See landet. Auf Kormoran und Co ist das auch so (siehe oben), aber eben längst nicht bei allen Anbietern.